Der Austausch hier ist eine große Bereicherung

Kitti Toth , 26 Jahre

Ich komme aus Ungarn und habe Psychologie studiert. Während meines Freiwilligeneinsatzes arbeite ich nun in einer Tagesstätte mit Menschen mit psychischen Erkrankungen. Ich  therapiere nicht im klassischen Sinn, sondern gebe für die Menschen Kreativ- oder Backkurse.

Ideen weitertragen

Bei den Kursen will ich den Klienten hier etwas aus meiner Heimat zeigen. Und so bastel ich mit ihnen gerade einen Korb aus Papierröllchen. Ungefähr 100 Stück braucht man für einen ganzen Korb. Meine Oma hat mir im vergangenen Sommer diese Technik beigebracht. Sie hat sie selbst auf einer Reise gelernt und jetzt ist sie eben mit mir weiter nach Neukölln gereist.

Bei allen Kreativprojekten wollen wir aktuelle Trends finden und die Ideen der Klienten einbinden, um auch Sinnhaftigkeit zu schaffen. Es ist schön zu sehen, wie sich die Menschen weiterentwickeln. Manche können inzwischen bessere Körbchen herstellen als ich.

Wir profitieren gegenseitig voneinander

Ich kann den Klienten Einblicke in die Kultur und Traditionen meines Landes, Ungarn, geben. Gleichzeitig helfen sie mir, wenn mir ein Wort auf Deutsch mal wieder nicht einfällt.

Hier in der Einrichtung fühle ich mich gut integriert. Ich kann mich hier sehr gut weiterentwickeln, fühle mich als vollwertiges Mitglied und kann meine eigenen Ideen einbringen. Ich habe öfters das Gefühl, dass ich mehr von meinem Aufenthalt profitiere als andersherum, aber meine Kollegen sagen, dass ich Ihnen eine große Hilfe bin.

Wir sprechen viel über Politik und unterschiedliche Traditionen, auch weil Vielfalt und Diversität in Ungarn noch nicht so entwickelt sind wie hier und ich ganz andere Erfahrungen mitbringe. Wenn ich nach Ungern zurückgehe, hoffe ich, ich mit meiner Haltung auch ein Stück weit das Bild in Ungarn verändern kann. Dass es auch normal wird, dass eine Apothekerin ein Kopftuch tragen kann.